Egal ist der neue Gott

Gott existiert nicht. Na eh. Glaub ich auch. Obwohl glauben in dem Zusammenhang vielleicht nicht das passende Wort ist. Auf jeden Fall hat Richard Dawkins mal wieder ein Buch geschrieben. Herr Dawkins ist gelernter Naturwissenschafter und unternimmt in „Der Gotteswahn“ den Versuch, wissenschaftlich die Abwesenheit Gottes zu erklären.

Ist ein recht gschmackiges Buch geworden, dass sich vor allem gegen die amerikanische Kreationistenpartie richtet. Also gegen die Damen und Herren, die hinter allem und jedem einen ominösen Gestalter wittern, allerdings ein bisschen am Ende ihres Lateins sind, wenn es darum geht, zu erklären, wer den Gestalter gestaltet hat. Der Gottestheorie stellt Dawkins Darwins Evolutionstheorie und Wahrscheinlichkeitsrechnungen gegenüber.

Auch für den Umstand, dass sich Religionen so lange über Wasser halten können und sich da und dort noch immer regen Zuspruchs erfreuen – ist eigentlich sonst noch jemand überrascht, wenn er heutzutage einen religiösen Menschen kennen lernt? - hat Dawkins eine Theorie parat. Er stellt die These auf, dass Kinder, die Warnungen ihrer Eltern ernst nehmen, im Laufe der Evolution eine tendentiell höhere Überlebenschance haben, als Kinder, die das nicht tun. „Geh nicht so nahe an die Klippe!“, „Nein, der Säbelzahntiger will nicht nur spielen.“, „Wenn das Mammutgacki noch warm ist, ist die Herde vermutlich noch in der Nähe.“ waren mit Sicherheit dem Überleben zuträgliche Sätze. Und wenn das ganze auch noch mit sonorer Stimme und ernsthaftem Gesichtsausdruck vorgetragen wird, nickt das Urzeitkind brav, überlebt und vererbt das ganze munter weiter bis ins Jahr 2008. Ein geschickter Priester nutzt dieses Urzeiterbe und warnt sonor und ernsthaft vor sündhaften Verfehlungen. Religion als Nebenprodukt eines an sich sinnvollen Vorganges.

Gott existiert also nicht. Ist klar. Nur muss an die Stelle Gottes unbedingt die Wissenschaft treten? Was genau soll eigentlich besser daran sein, alles zu wissen, als vieles zu glauben? Die Alternative mit der esoterisch aufgeladenen Göttlichkeit aller Dinge ist keine. Also zumindest für mich nicht. Müssen es unbedingt die Wissenschafter sein? „How do we tell the people in the white coats 'enough is enough'?“ fragten New Model Army schon vor vielen Monden. Reicht es nicht manchmal, den Laborkittel abzulegen, die Reagenzgläser in die Ecke zu stellen und einfach nur zu staunen. Die Augerln ganz weit aufreißen und sagen „Pfoa eh. Was es nicht alles gibt! Hübsch.“? Ganz ohne Erklärung. Ganz ohne Gott. Ganz ohne Wissenschaft. Einfach hüsch und wurscht woher.

Ja. Manchmal reicht das. Echt. Da glaub ich dran.

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